Turnen am Arbeitsplatz

Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Frauen und des Volkswohls gehörten neben der Bekämpfung des Alkoholismus zu den Kernanliegen der Pionierinnen des ZFV.

Andrea Da Rugna, 6. Mai 2019

Fakten und Zahlen

Sorell Personalpolitik der Gründerinnen

– Fester Monatslohn
– Schichtbetrieb
– Möglichkeit zur Aushilfs- und Teilzeitanstellung
– Tägliche Arbeitsdauer:
8 bis 9 Stunden
– Ferien: 4 bis 5 Wochen
– Gymnastikstunden
– Sozialleistungen
– Talentförderung

Ethisches Unternehmertum gehört zu den Grundbausteinen des ZFV. Den Gründerinnen war schon früh klar, dass ihre Mitarbeiterinnen ihr grösstes Kapital sind. Dies ist vor allem erstaunlich, da gegen Ende des 19. Jahrhundert mit dem sogenannten «Taylorismus», welcher vor allem Effizienz­steigerung durch Arbeitsteilung zum Ziel hatte, eine arbeiter­unfreundliche Unternehmensphilosophie vorherrschte.
Bis zum Schweizer Generalstreik im Jahr 1918 waren eintönige Beschäftigungen und 57-Stunden-Wochen die Regel. Als Reaktion auf den «Landesstreik» wurde das Schweizer Arbeitsgesetz angepasst und die Arbeitszeit auf 48 Stunden beschränkt.

Turnen, Ferien und Talentförderung

Um «anständigen Mädchen und Frauen eine anständige Arbeit zu anständigen Bedingungen zu ermöglichen» betrieb der Frauenverein für die damalige Zeit eine äusserst fortschrittliche Personalpolitik. Es wurden feste Monatslöhne ausgezahlt, das Trinkgeld abgeschafft und der Schichtbetrieb eingeführt. Der Arbeitstag dauerte acht bis neun Stunden und jede Angestellte verfügte über einen halben Freitag pro Woche sowie einen zusätzlichen Tag pro Monat. Zusätzlich hatten sie Anrecht auf vier bis fünf Wochen Ferien pro Jahr, abhängig von der gesundheitlichen Verfassung der Betroffenen. Zusätzlich gab es auch die Möglichkeit der Aushilfs- oder Teilzeitanstellung und Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Mit Gymnastikstunden und Sozialleistungen wurde auch der Gesundheit der Angestellten Rechnung getragen. Die im Jahr 1908 von Susanna Orelli gegründete Vorsteherinnenschule ermöglichte es besonders verantwortungsbewussten Mitarbeiterinnen sich beruflich und persönlich weiterzuentwickeln und eigene Betriebe zu führen.

Während es noch fast 25 Jahre oder länger dauern sollte, bis solche Arbeitsnehmerrechte im Schweizer Gesetz festgehalten und durchgesetzt wurden, bot der ZFV seinen Angestellten schon früh vergleichsweise moderne Arbeitsbedingungen, was ihn schnell zu einem beliebten Arbeitgeber machte. Diese Eigenschaft konnte der ZFV bis heute erhalten. So sicherte sich der ZFV 2017 am Swiss Arbeitgeber Award den zweiten Platz.

Fakten und Zahlen

Sorell Personalpolitik der Gründerinnen

– Fester Monatslohn
– Schichtbetrieb
– Möglichkeit zur Aushilfs- und Teilzeitanstellung
– Tägliche Arbeitsdauer:
8 bis 9 Stunden
– Ferien: 4 bis 5 Wochen
– Gymnastikstunden
– Sozialleistungen
– Talentförderung