Pioniergeist der Zürcher Damen

Wir befinden uns in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, geprägt von der sogenannten «Kartoffelschnapspest», die durch tiefe Spirituosenpreise ausgelöst wurde. Der daraus resultierende Alkoholmissbrauch schockierte
die Gesellschaft.

Andrea Da Rugna, 11. Januar 2019

Fakten und Zahlen

Noch im Gründungsjahr 1894 wurde die erste Kaffeestube «zum Kleinen Marthahof» an der Stadelhoferstrasse in Zürich eröffnet. Von Beginn an war die Nachfrage nach alkoholfreien Verpflegungsmöglichkeiten gross. Bereits im ersten Monat resultierte ein Überschuss von CHF 2.75.

Der grassierende Alkoholismus überforderte die Gesellschaft nicht nur auf Bundes- und Kantonsebene, sondern auch die Schweizer Familien, die durch Angehörige häufig persönlich am schwersten betroffen waren. So entschied sich nicht nur die Schweizer Regierung zum Handeln, sondern auch einige Zürcher Bürgersfrauen, darunter Susanna Orelli-Rinderknecht (1845 – 1939) unter deren Führung der «Frauenverein für Mässigkeit und Volkswohl» (1910 unbenannt in «Zürcher Frauenverein für alkoholfreie Wirtschaft») gegründet und damit eine alkoholfreie Gastwirtschaftsszene in Zürich etabliert wurde.

Der Pioniergeist der Zürcher Damen kommt zum Vorschein

Um die Jahrhundertwende war zum einen ein weibliches Unternehmertum eine Rarität. Die Beschäftigung und Ausbildung von Frauen war damit ihrer Zeit deutlich voraus. Zum anderen war auch das staatsunabhängige, private Vorgehen gegen das gesellschaftliche Leiden durch die Volkskrankheit Alkohol eine Neuheit.

«Auch wenn sich Namen und Statuten des ZFV im Verlauf der Zeit geändert haben, die Bedeutung des Volkswohls blieb gleich und bestimmt immer noch massgeblich die Tätigkeiten des Unternehmens»

Das Interesse des ZFV am Wohl der Gesellschaft

Seit 1914 versorgt der ZFV Studierende und Professoren an der Zürcher Universität mit Hirnnahrung. 1990 übernahm er erstmals unter dem neuen Namen «ZFV-Unternehmungen» die Leitung von Betrieben in der Personalgastronomie und verpflegte seitdem auch die Arbeiterschaft. Verändernde wirtschaftliche Bedingungen gegen Ende des letzten Jahrhunderts bedingten ein Umdenken in der Alkoholpolitik des ZFV.

Um sich weiterhin auf dem gastronomischen Binnenmarkt behaupten zu können, wurde 2001 das Alkoholverbot durch ein zeitgemässes und moderates Alkoholreglement ersetzt. Auch wenn sich Namen und Statuten des ZFV im Verlauf der Zeit geändert haben, die Bedeutung des Volkswohls blieb gleich und bestimmt immer noch massgeblich die Tätigkeiten des Unternehmens.

Fakten und Zahlen

Noch im Gründungsjahr 1894 wurde die erste Kaffeestube «zum Kleinen Marthahof» an der Stadelhoferstrasse in Zürich eröffnet. Von Beginn an war die Nachfrage nach alkoholfreien Verpflegungsmöglichkeiten gross. Bereits im ersten Monat resultierte ein Überschuss von CHF 2.75.