Mit einem Kuchenbazar zum Unternehmen

Ihren Anfang nimmt die Geschichte der ZFV-Unternehmungen vor 125 Jahren in Zürich: Susanna Orelli-Rinderknecht, Nanny Huber-Werdmüller und weitere Bürgersfrauen gründen den «Frauenverein für Mässigkeit und Volkswohl». Den Grundstein für das Projekt legen sie mit einem Kuchenbazar – sozusagen das Crowdfounding des 19. Jahrhunderts.

Claudia Christen, 11. April 2019

Im Frühling des Jahres 1894 bilden Susanna Orelli-Rinderknecht und ihre Schwester Caroline Rinderknecht zusammen mit Frauen und Männern ein Initiativkomitee, das den Vorschlag von Auguste Forel, in Zürich ein alkoholfreies Volkshaus nach britischem Vorbild zu errichten, verwirklichen soll. Die finanziellen Mittel sollen durch einen Kuchenbazar beschaffen werden. Während den Vorbereitungen kommt es jedoch zu einem Eklat, die Männer ziehen sich geschlossen zurück. Sie halten derart entscheidende Veränderungen zum damaligen Zeitpunkt für verfrüht.
Da schlägt die Stunde der Frauen: Angeführt von Susanna Orelli-Rinderknecht und Nanny Huber-Werdmüller verfolgen sie mit Elan, Hartnäckigkeit und viel gesundem Menschenverstand die Idee einer alkoholfreien Gaststube weiter und lassen den Worten Taten folgen. Sie führen den Bazar wie geplant durch.

«Da schlägt die Stunde der Frauen: Mit Elan, Hartnäckigkeit und viel gesundem Menschenverstand verfolgen sie die Idee einer alkoholfreien Gaststube weiter und lassen den Worten Taten folgen.»

Erfolgreicher Start

Der Bazar am 19. & 20. Juni 1894 im Gesellschaftshaus der Schildner zum Schneggen am Limmatquai in Zürich ist ein voller Erfolg. Alle, die in Zürich Rang und Namen haben, leisten einen Beitrag oder kommen vorbei. An den beiden Tagen kommt eine stattliche Summe von CHF 17’164.60 zusammen. Dies entspricht einer heutigen Kaufkraft von rund 180’000 Franken – der Grundstein für die Genossenschaft und den ersten Betrieb ist gelegt.

Umso beachtlicher ist die Leistung, wenn man den zeitlichen Kontext näher betrachtet. Obschon es im ausgehenden 19. Jahrhundert als schicklich gilt, wenn sich Damen wohltätigen Zwecken widmen, betreten die Frauen mit der Gründung sowie der eigenständigen Führung eines Unternehmens Neuland. Ohne spezifische Ausbildung und geschäftliche Erfahrungen lassen sie ihren gesunden Menschenverstand walten und holen sich die nötige Unterstützung. Es ist damals weiter notwendig, dass die Unterschriften der verheirateten Gründerinnen auf dem Notariat durch diejenigen ihrer Ehegatten, die der Ledigen durch die Väter oder eines Vormundes bestätigt werden, damit sie Rechtsgültigkeit erlangen.