Michelin vs. Gault Millau

Sterne, Punkte und Hauben: Diese Kennzeichnungen verraten, wo Gourmets auf ihre Kosten kommen. Doch was steckt hinter diesen Symbolen und inwiefern unterscheiden sie sich? Wir klären auf.

Andrea Penocchio, 27. Mai 2019

Oft möchte man abends gut essen gehen, kann sich aber bei der grossen Restaurantauswahl kaum entscheiden. Feinschmecker erkennen die Qualität eines Restaurants im Handumdrehen – und zwar anhand der verschiedenen Auszeichnungen der Haute Cuisine.

Wer war zuerst da?

Gute und weniger gute Kritik gibt es jeweils in den Monaten Oktober und November. So mancher Koch erwartet in diesem Zeitraum die Kritik der beiden roten Gourmet-Bibeln. Doch welcher ist denn nun wichtiger? Bei vielen Köchen sind die Michelin-Sterne das Höchste. Die Gault-Millau-Punkte und Hauben haben oft nicht dieselbe Dominanz. Dies liegt wahrscheinlich an der Geschichte – der Michelin ist der Ältere. Anfangs richtete sich 1900 der Guide Michelin an die damals wenigen Autofahrer. Er listete Werkstätten, Batterieladestationen und Tankstellen auf. Erst 1923 erweiterte er seine Tipps auch auf Restaurants und Hotels. Die Schweizer Michelin Ausgabe gibt es aber erst seit 1994.
Die Ausgabe von Gault Millau kennen wir Schweizer schon 12 Jahre länger; 1982 erschien sie. Die beiden Journalisten Henri Gault und Christian Millau begannen 1972 in Paris und beschränkten sich vorerst auf die französische Küche, später erfolgte dann die Erweiterung durch andere Länder.

Wie wird getestet?

Die Testbesucher bleiben selbstverständlich anonym und bezahlen auch – wie ein gewöhnlicher Gast eben. Damit sich der Inspektor nicht entlarvt, macht er sich während dem Essen keine Notizen, sondern schreibt seinen Bericht erst später. Die Vergabe der Michelin Sterne erfolgt gemäss folgenden Kriterien: die Produktequalität, das Know-how des Küchenchefs, die Originalität der Gerichte und die Beständigkeit der Küchenleistung auf Dauer und über die komplette Speisekarte hinweg. Die Sterne bewerten somit einzig und allein das, was auf den Teller kommt. Einrichtung und Servicequalität spielen hierbei keine Rolle. Auch bei den Gault-Millau-Punkten oder Hauben wird grosser Wert auf Qualität und Frische der Zutaten gelegt, sowie auf die Kreativität und Qualität der Zubereitung, die geschmackliche Harmonie und letztlich die Präsentation der Gerichte.

Die Bedeutung der Michelin Sterne

Der Guide Michelin erscheint für insgesamt 30 Länder. Die einheitlichen Bewertungskriterien ermöglichen eine internationale Vergleichbarkeit.
*** Eine einzigartige Küche – eine Reise wert!
** Eine Spitzenküche – einen Umweg wert!
* Eine Küche voller Finesse – einen Stopp wert!

Die Bedeutung der Gault-Millau-Punkte und Hauben

Der Gault Millau richtet sich bei der Bewertung an das französische Schulnotensystem. Die Kritiker vergeben bis zu 20 Punkte. Im Gegensatz zu anderen Restaurantführern gibt es im Gault Millau neben der Punktebewertung eine Beschreibung des Restaurantbesuchs: Je höher das Restaurant bewertet wurde, desto mehr Text widmet der Guide für die oft ausgefallene Kritik.

4 Hauben / 18.5 – 20 Punkte: weltbeste Küche
3 Hauben / 17 – 18 Punkte: bestmögliche Zubereitung und höchste Kreativität
2 Hauben / 15 – 16 Punkte: hohe Qualität und Kreativität
1 Haube / 13 – 14 Punkte: sehr gute Küche
11-12 Punkte: Restaurant ist ok
0 – 10: mangelhaft