Future Food: Insekten

Krabbelt und kriecht es, läuft nur den wenigsten das Wasser im Mund zusammen. Obwohl schon seit geraumer Zeit bekannt ist, dass Insekten eine wertvolle Nahrungsquelle sein können, stehen sie bei kaum einem Schweizer auf dem Speiseplan.

Andy Da Rugna, 8. Juli 2019

Fakten und Zahlen

ZFV goes insects

Diverse ZFV-Betriebe haben im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche im September 2018 einen Insektenburger angeboten. Der «Essento Insect Burger» besteht aus einer Mischung von Reis, Gemüse und Mehlwürmer und wurde als Mittagsmenü verkauft.

Seit dem 1. Mai 2017 sind Insekten in der Schweiz offiziell als Lebensmittel zugelassen. Schnell sprangen Start-Ups, wie «Essento», und auch grosse Lebensmittelverteiler, wie «Coop» und «Migros», auf den fahrenden Zug auf und nahmen Mehlwürmer, Heuschrecken und Co. ins Sortiment auf. Doch die Verkaufszahlen bleiben ernüchternd und das, obwohl den verarbeiteten Produkten, wie beispielsweise dem Mehlwurmburger von «Essento», nicht anzusehen ist, dass sie aus Insekten bestehen. Was läuft schief?

Zuerst die Fakten

Insektenesser sind auf keinen Fall eine Seltenheit. Schätzungen zufolge ernähren sich circa 2 Milliarden Menschen, vor allem in Asien, Afrika und Nordamerika, regelmässig von Insekten. So werden auf der Welt mehr als 2000 Insektenarten gegessen. Dies aus gutem Grund, denn die kleinen Krabbelviecher sind reich an Proteinen, gesunden Fetten und Mineralien. Ausserdem sind Insekten deutlich günstiger zu produzieren, als beispielsweise Fleisch. Sie brauchen viel weniger Wasser und Platz und sind weniger wählerisch bei der Ernährung. So braucht es zwei Kilogramm Futter für ein Kilogramm Insektenprotein, während es beispielsweise acht Kilogramm Futter für 1 Kilogramm Rindprotein benötigt.

Insekten sind also nachhaltig, gesund, ökonomisch sinnvoll und besitzen das Potential, die immer weiterwachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Der Bund und die Lebensmittelindustrie scheinen erkannt zu haben, dass Heuschrecken, Mehlwürmer und Co. zur Ernährung der Zukunft gehören. Doch westliche Konsumenten wollen sie (noch) nicht in den Speiseplan aufnehmen.

Es braucht ein Umdenken

Warum vielen Menschen der Gedanke Insekten zu essen stark zuwider ist, hat ihren Ursprung in der Sozialisation. Wir assoziieren Insekten häufig mit verdorbenem und schlechtem Essen. Maden und Fliegen befallen abgelaufenes Fleisch und auch um gärende Früchte sammeln sich die Viecher. Sie sind ein Indiz dafür, dass ein Nahrungsmittel nicht mehr geniessbar ist. Zusätzlich wird uns im Kindesalter gesagt, dass wir uns keine Insekten in den Mund stopfen sollen. Dies würden Kleinkinder ohne zu Zögern tun, wenn man sie nicht daran hindert.

Damit Insekten also zu einer echten Nahrungsalternative werden, braucht es ein Umdenken in der Gesellschaft. Schon von früh an sollte man Kindern beibringen, dass auch Insekten essbar sind (wenn auch vielleicht nicht der Käfer aus dem Sandkasten). Andererseits müssen auch wir Erwachsenen über unseren Schatten springen und eben nicht in den sauren Apfel, sondern in die salzige Heuschrecke beissen. Denn die zunehmende Weltbevölkerung und der Klimawandel machen es sehr wahrscheinlich, dass ein Umdenken bezüglich unserer Ernährung nötig sein wird.

Bildrechte ©Essento & Tina Sturzenegger

Fakten und Zahlen

ZFV goes insects

Diverse ZFV-Betriebe haben im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche im September 2018 einen Insektenburger angeboten. Der «Essento Insect Burger» besteht aus einer Mischung von Reis, Gemüse und Mehlwürmer und wurde als Mittagsmenü verkauft.